Was für die Einen der Kirmeshannes ist für Wahlen das Lenchen.
Das Jahr über spricht man nur vom Lenchen, jedoch an Kirmes ist es die Lena. Das
kommt daher, weil sich dieser Name bei Gesängen besser als Reim eignet, sowie
der harte Vokal am Ende wesentlich prägender ausgesprochen, - nein gerufen
werden kann.
Was verbirgt sich nun hinter dem Namen Lena? Lena ist eine Ableitung des Namens
Helena. St. Helena wurde 257 n. Chr. geboren, war die Mutter Konstantins des
Großen und wurde von Ihm zur Augusta erhoben. Keine geringere als St. Helena ist
die Namenspatronin der Pfarrkirche in Wahlen.
Vor genau 50 Jahren taten sich einige junge Leute zusammen, um ein Kirmessymbol
zu kreieren. Man wollte was besonderes haben, nicht Matz oder Hannes, und so
wurde 1958 das Lenchen geboren.
Im Keller von Edgar Schulien Bohlen, gelernter Polsterer, ging man zu Werke
und schuf aus alten Kleidungsstücken, ausgestopft mit, reichlich vorhandenem
Seegras und Kapok, eine Puppe. Probleme bereiteten damals der untere Teil des
Lenchens, da es noch keine Strumpfhosen gab und hier viel Improvisationskünste
von Nöten waren.
Am Kirmessamstag wurde dann die Lena hoch über dem Kirmesplatz, auf einem Stuhl
sitzend inthronisiert. Von hier überwacht und segnet sie das Kirmestreiben und
begrüßt die Besucher aus nah und fern.
Wer nun glaubt dieses Kunstwerk würde nach der Kirmes in eine Kiste verstaut
und im nächsten Jahr wieder hervorgezaubert hat sich getuscht.
Denn Lena ist ein Unikat und es erfolgt in jedem Jahr zur Kirmes eine neue
Schöpfung.
Mal als feine Dame mit riesigem Hut, mal als ehrwürdige ältere Person in dunkler
Kleidung oder als Lebedame mit Zigarette im Mundwinkel.
Am späten Nachmittag zum Kirmesdienstag wird Lena dann exthronisiert und im
feierlichen Zug durch das ganze Dorf und natürlich auch durch alle Gaststätten
getragen. Ein riesiger Trauerzug, angeführt von einem Pastor und Gehilfen mit
weihrauchschwenkenden Gefäßen (belriechendes Schlorrafa), pietätvoll gekleidet
mit der immer noch nach Mottenkugeln duftenden Trauerbeleidung von Uropa und
Uroma, unter lautem Klagegesang und Litaneien die sich im Laufe von 49 Jahren zu
einem riesigen Repertoire aufgestaut haben. In jedem Satz kommt mindestens ein
Mal Lena vor.
Angesichts des langen Weges und der Zwischenaufenthalte sind manche Mitglieder
der Trauergemeinde in eine Trance verfallen, dass sie tatschlich weinen und
gestützt werden müssen.
Zielort der Trauernden ist der Kirmesplatz, wo Lena unter großem Hallo, auf dem
Autoskooter ihre Runden dreht, die nicht enden wollen, da der Schausteller immer
wieder Freifahrten einwirft.
Dann der Höhepunkt und das Ende. Lena wird auf dem Kirmesplatz eingeschert,
verbunden mit einem beißenden Geruch, schier nicht brennen wollenden Innenlebens.
In diesem Jahr wird sich dieses Schauspiel zum 50. Mal wiederholen. Lena würde
sich freuen viele Gäste aus Nah und Fern begrüßen zu können.
Text: Rene Schommer, Ortsvorsteher
Bilder: Rene Hissler



